Kleidung | Nähprojekte

Herrenfrack nähen – mein vermutlich anspruchsvollstes Projekt Teil 1

14. November 2020
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Wie kommt man eigentlich darauf, einen Herrenfrack zu nähen? Das könnte wohl der erste Gedanke sein, der einem in den Sinn kommt. So viel sei gesagt, als Faschingskostüm ist der elegante Herrenrock nicht gedacht. Dementsprechend perfekt musste der Frack werden. Von Druck ist hier also weit und breit also keine Spur! Die Planung des Projekts zog sich fast ein dreiviertel Jahr. Interessante Infos zum Frack und der Organisation erfahrt ihr in Teil 1 zum Herrenfrack.

Warum ich den elegantesten und womöglich anspruchsvollsten Anzug nähte

Von 0 auf 100 – so könnte man meinen, denn bisher habe ich was Männergarderobe angeht noch nicht so viel genäht. Einige Jacken für mich, mal einen Selbstbinder ja, aber ein Herrenjacket? Das ist schon noch einmal eine andere Hausnummer. Doch man wächst mit den Herausforderungen und ganz nach dem Motto „think big“ war ich mir sicher, dass ich auch dieser Näh-Challenge gewachsen sein werde. Doch Respekt hatte ich durchwegs vor dem Projekt. 

Doch wie kommt man auf so eine Idee? Ganz einfach: Wenn der Liebste diesen aus Traditionsgründen mindestens einmal im Jahr bei einem gesellschaftlichen Anlass trägt – UND der „alte“ Frack meiner Meinung nach ausgedient hat. So kam ich auf die Idee, ihm als Geschenk dieses Unikat zu fertigen, das ohnehin schon etwas Besonderes ist, weil es nur an sehr hohen Feiertagen ausgepackt wird und natürlich, weil es in Handarbeit mit sehr viel Liebe und dem ein oder anderen Nervenzusammenbruch selbst genäht wurde.

Das Projekt, den Herrenfrack selber zu nähen, war also ein Geschenk, das ich lange plante und welches auch in der Umsetzung einiges an Zeit gekostet hat. Ob ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, möchte ich vorerst nicht verraten, denn bis wir an diesen Punkt kommen, gibt es noch einiges zu erzählen.

Ein hochinteressantes Kleidungsstück: Was ihr über den Herrenfrack wissen müsst

Ich persönlich finde die Geschichte und die Regeln rund um dieses Kleidungsstück faszinierend. Bevor wir also tiefer in das Nähprojekt eintauchen, möchte ich euch einmal mit den wichtigsten Infos zum Herrenfrack vertraut machen.

  1. Einen Herrenfrack trägt man üblicherweise erst ab 18 Uhr abends
  2. Der schwarze Frackanzug wird in der Regel mit weißem Hemd, weißer Piqué-Weste und weißer Fliege kombiniert, dann spricht man auch vom Dresscode Cravate Blanche oder White Tie
  3. Den Herrenfrack trägt man zu hoch formellen Anlässen
  4. Auch die Schuhe sollten gut gewählt sein. Die Regel besagt: schwarze Lackschuhe sollen es sein
  5. Der Klassiker sollte aus 100% Schurwolle bestehen
  6. Das Revers des Kragens glänzt, daher auch Spiegel genannt, und hebt sich also vom restlichen Frack ab
  7. Der White Tie Anzug besteht traditionell aus einem Jacket mit zwei Rockschößen, die jeweils spitz zulaufen

Bei dem Anlass, zu dem mein selbstgenähter Frack aus dem Schrank geholt wird, gelten jedoch andere Regeln für die teilnehmenden Herren. Daher erkennt ihr auch auf den Tragebildern klare Unterschiede zum offiziellen Dresscode.

Ran an die Planung – was es alles zu beachten gilt

Kaum war die Idee geboren, suchte ich nach dem passenden Schnittmuster für dieses Mammut-Projekt. Leichter gesagt als getan, denn ein Herrenfrack ist definitiv kein Standard-Nähprojekt und dementsprechend schwer ist es, als Hobbyschneiderin hier etwas zu finden. Letztlich habe ich mich für zwei Schnittmuster entschieden. Ein Modell von Müller und Söhne und eines von Burdastyle. Letzteres ist eher als Faschingskostüm gedacht, hat aber im Vergleich zu ersterem, war eine sehr gut verständliche Anleitung mit dabei. Ich wollte also beide kombinieren. 

Nachdem der Schnitt vorhanden war – die Suche hat schon einmal sehr lange gedauert – ging es an die Stoffwahl, die noch viel länger dauerte. Wie ich bereits oben bei den Regeln erwähnte, ist ein Herrenfrack immer aus 100% Schurwolle. Ich habe mich hingegen nach reiflicher Hin- und Her-Überlegerei doch für einen Wollstoff entschieden, der zwar einen sehr hohen Schurwoll-Anteil hat, aber eben nicht aus 100% Schurwolle besteht. Etwas pflegeleichter soll er angeblich so sein, und natürlich auch etwas günstiger.

Noch dazu wird ein Satinstoff für das Revers benötigt, schwarzes Bügelvlies sowie ein schwarzer Futterstoff. Schulterpolster, Garn für die Overlock und die Nähmaschine sowie handüberzogene schwarze Knöpfe, die ich bei etsy gefunden habe. 

Damit sind die Zutaten für mein kleines Meisterstück beisammen. Es kann also losgehen, … Fortsetzung folgt!

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