Kleidung | Nähprojekte

Trenchcoat nähen – den britischen Klassiker selbst anfertigen

26. Oktober 2020
trenchcoat-naehen

[Unbezahlte Werbung] Herbst oder Frühling ohne Trenchcoat? – Undenkbar. Der Klassiker ist einfach zeitlos, passt immer und hat trotz der Funktionalität einen eleganten Touch. Ich nehme euch mit auf meine Reise zum ersten selbstgenähten Trenchcoat.

Warum ein Trenchcoat?

Okay, zu Beginn sollte ich vielleicht einmal erwähnen, dass ich eine Schwäche für Mäntel habe, und zwar Mäntel jeglicher Art. Neben weißen Blusen und Blazer sind Mäntel vermutlich das am häufigsten aufzufindende Kleiderstück in meinem Schrank. Im Herbst und Frühling liebe ich einfach klassische, dünne Mäntel. 

Lange war ich auf der Suche nach einem Trenchcoat, weil es mir der britische Look angetan hat. Ich persönlich fand es aber wirklich schwer, den Trenchcoat meiner Träume zu finden. Irgendwie gefiel mir nie die Farbe oder die Passform – das schreit ja nur noch dem nächsten Nähprojekt, oder?

Doch erst einmal sollte es ein klassischer Trenchcoat werden, second hand habe ich ihn erstanden und gerne getragen. So hundertprozentig saß er aber nie, die Idee den Mantel selbstzunähen, war somit immer noch präsent.

trenchcoat-naehen-front

Ein weiterer Grund ist meine Liebe zu Großbritannien. So habe ich unter anderem schon einen Rock im Trench-Stil genäht. Classy, elegant, einfach sofort stilvoll – all das sind Charakteristika, die den britischen Klassiker sehr treffend beschreiben. 

Einige Facts zum Klassiker Trenchcoat

Bevor man sich an so ein weltbekanntes, geschätztes Kleidungsstück wagt, kann es nicht schaden, sich einmal kurz mit der Geschichte des Trenchcoats zu beschäftigen. Für euch habe ich die interessantesten Facts kurz zusammengefasst:

  1. Schon seit über 100 Jahren wird der Trenchcoat getragen
  2. Ein Trenchcoat ist ursprünglich ein Regenmantel, er hat charakteristisch einen Gürtel, ist zweireihig und hat nie eine Kapuze 
  3. „Trench“ (engl.) bedeutet „Schützengraben“, „coat“ (engl.) bedeutet Mantel
  4. Die Namensgebung hängt mit dem ursprünglichen Zweck des Trenchcoats zusammen: Thomas Burberry entwarf den Trenchcoat nämlich für die britische Armee
  5. Garbadine oder Popeline sind die charakteristischen Stoffe, aus denen der Trenchcoat gefertigt wird, denn sie sind wasserabweisend. Früher war das den Soldaten natürlich von Vorteil – heute erfreuen wir uns im Alltag über eine stilvolle Jacke, die auch bei Regenwetter vor der Nässe schützt 
  6. Trenchcoats galten lange Zeit, auch bedingt durch Filmklassiker, als Merkmal von Detektiven
  7. Der Koller, also das Stoffteil über der Schulter, schaut nicht nur sehr schön aus, sondern hat natürlich auch einen Zweck: Regen soll so besonders raffiniert ablaufen
trenchcoat-naehen-detail-koller

Selbstgenähter Trenchcoat: Der Schnitt

Ich liebe Klassiker – und jeder der mich ein wenig kennt, weiß das auch. Nachdem ich aber auf meiner langen Suche nach dem perfekten Trenchcoat nie so richtig fündig geworden bin, habe ich mich bei meinem selbstgenähten Trenchcoat an eine etwas abgewandelte Form gewagt.

Der Schnitt ist von Makesa Schnittdesign, und heißt Mantel Malus. Schon als ich den Mantel das erste Mal sah, gefiel er mir richtig gut. Man ordnet ihn aufgrund des Kollers und des Gürtels direkt als Trenchcoat ein, obwohl er sonst viele Elemente des Klassikers nicht aufzuweisen hat.

trenchcoat-naehen-lachen

So kann der Mantel gänzlich ohne sichtbare Knöpfe genäht werden und schaut trotzdem richtig gut aus. Der Koller sieht sehr modern und interessant aus. Auch wird auf den klassischen Kragen verzichtet. Der Rundhals passt aber überraschenderweise ebenfalls sehr gut zum Trenchcoat.

trenchcoat-naehen-detail-tasche
trenchcoat-naehen-detail-armguertel
trenchcoat-naehen-bindeguertel-schleife

Was geblieben ist, sind: der Koller, der Gürtel, Ärmelschlaufen, Gürtelschlaufen, zwei Taschen.

Mein Resümee: Der Fertigungsprozess

Sehr viele Schnitteile! Das schon einmal vorab. Beim klassischen Schnitt müssen es aber wesentlich mehr sein. Ich habe ein dunkelbraunes Futter in den Mantel genäht, wodurch ich natürlich nochmal mehr Schnittteile hatte.

Als Oberstoff wählte ich einen sandfarbenen Hosenstretch, der schön fest, aber doch auch angenehm zu tragen ist. Knöpfe in Hornoptik sowie eine Menge großer Druckknöpfe standen ebenfalls auf der Einkaufsliste.

Die Anleitung zum Mantel Malus war sehr gut verständlich. Jeder Schritt war mit Bildern verdeutlicht, was das Nähen schon sehr erleichert hat. Erst wird der Oberstoff vernäht und im Anschluss wie gehabt das Futter.

Meine Problemchen hatte ich ja beim Ärmel einsetzen. Und das nicht zum ersten Mal. Tatsächlich hatte ich beide Ärmel schon angenäht, um sie dann wieder aufzutrennen. Und dabei trenne ich wirklich sehr sehr selten Nähte auf, das muss also schon etwas heißen.

So packte ich mir meinen Laptop und schaute mir erst einmal eine Menge Tutorials an, wie man Ärmel korrekt einsetzt. Ich habe schon sehr viele Ärmel eingesetzt, bei meinem Bouclé Blazer beispielsweise oder auch bei meinem 60er Jahre Kostüm – doch so hundertprozentig zufrieden war ich nie. Jetzt weiß ich auch warum. Mir war nicht bewusst, dass es so einen großen Unterschied macht, wenn man den Ärmel von der Ärmelseite aus einnäht. Bei La Bavarese bin ich auf eine sehr hilfreiche Erklärung getroffen – wieder etwas gelernt! 

Beim zweiten Anlauf hat es dann auch geklappt mit den Ärmeln im Trenchcoat.

trenchcoat-naehen

Anfangs wollte ich, um den Mantel möglichst an den Klassiker anzulehnen, Knöpfe in Hornoptik auch zum Verschließen anbringen. Doch während ich Schritt für Schritt meinen neuen Mantel entstehen sah, wurde mir klar, dass mir gerade die knopflose Variante sehr gefiel. Somit hat mein Trenchcoat jetzt fünf Druckknöpfe als Verschluss, die nach außen nicht sichtbar sind. Für die Ärmelschlaufen habe ich an meiner Ursprungsidee festgehalten und sie mit den klassischen Knöpfen geschlossen.

trenchcoat-naehen

Kurz: Ich bin rundum zufrieden mit dem Ergebnis. Außer der Panne mit den Ärmeln ließ sich der Trenchcoat sehr schön nähen. Die Passform ist super und die Optik, wie zu erwarten, klassisch, aber doch raffiniert modern. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.