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Spätsommer-Flowerpower: Selbstgenähtes Kleid aus edlem Georgette

8. September 2020
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[Unbezahlte Werbung] Schon im Frühling hatte ich mir diesen wunderschönen Stoff besorgt. Ich konnte einfach nicht anders. Schnell war klar, dass aus diesem zarten Sommerstoff ein Kleid werden würde. Wo mich meine lange Schnittsuche letztlich hingeführt hat und welche Details ich besonders an dem kleinen Kunstwerk liebe, verrate ich hier.

Die Blumige – die ich eigentlich gar nicht bin

Wilde Blumenprints sind eigentlich so gar nicht meins. Ja, so das ein oder andere Kleid findet sich schon in meinem Schrank, aber die Ausbeute, das würde ihr schnell merken, ist sehr begrenzt. Umso verblüffender, dass ich mich in diesen zauberhaften Stoff so verguckt habe. Auf stoffe.de habe ich ihn entdeckt und glaubt mir – er lag mehr als einmal in meinem Warenkorb, ohne, dass ich gekauft habe. Denn eigentlich wollte ich weg von dieser Angewohnheit, erst Stoff zu kaufen und dann den Schnitt zu suchen. Grundsätzlich hat man so nämlich am Ende zu wenig oder viel zu viel Stoff…

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(c)sewingandscones.de

Nun gut, wie ihr euch denken könnt, war es irgendwann so weit und ich habe mich der Versuchung hingegeben und den Stoff gekauft. 

Besonders schön finde ich nach wie vor den grau-mint-farbenen Hintergrund. Ich liebe diesen Farbton! Die filigranen Blumen schlängeln sich zart über den federleichten Georgette. 

Was ist Georgette?

Georgette ist von der Struktur her ein seidenähnliches Gewebe. Sehr fließend, zart und edel wirkt der Stoff, wenn man ihn in der Hand hält. Zur Herstellung des Georgettes wird Seide oder Kunstseide verwendet, so entsteht die ähnliche Haptik. Letztlich ist Georgette jedoch ein etwas festeres Material als Seide, dadurch auch etwas leichter in der Pflege.

Besonders Anfang des 20. Jahrhunderts war Georgette im Trend. Der Stoff eignet sich hervorragend für fließende Kleider, Blusen und Röcke.

Die Schnittsuche, wie immer nervenaufreibend

Ich hatte sehr genaue Vorstellungen von dem Kleidungsstück. Es sollte ein Kleid werden, relativ lang, mit langen Ärmeln und einer betonten Taille. Eine Knopfleiste sollte es auch haben, aber irgendwie auch nicht zu kompliziert sein. 

Bestimmt dreimal habe ich all meine Nähhefte durchgeblättert, immer und immer wieder. Auch online habe ich gesucht und gesucht – und irgendwann gefunden. Auch wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick war, so ist es mir doch nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Irgendwann freundete ich mich mit dem Gedanken an, dass das womöglich das Kleid sein würde, das aus dem wunderschönen Georgette geschneidert werden könnte. 

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(c)sewingandscones.de

Es wäre ja zu einfach – die erste große Hürde

Ich glaube bald habe ich alles durch. Von großen Größen auf meine Größe, bei meiner Satinbluse, von einer Kurzgröße auf meine normale Größe, bei meinem geliebten Bouclé-Blazer und nun von einer Langgröße auf meine Größe, bei diesem einen Schnitt, der der einzige zu sein schien, der für mein Sommerkleid in Frage kam.

Entmutigend. Die Anpassungen am Schnitt waren echt kein Spaß. Selbst mit einem Probeoberteil, das ich nähte, wirkten all die Anpassungen nicht wirklich richtig und ich hatte Sorge, den Schnitt zu verändern.

Im Endeffekt hat es ganz gut geklappt, auch wenn ich mit meinem Wissen jetzt, dem Oberteil noch etwas mehr Länge nehmen würde.

Der Nähprozess und meine Anpassungen

Neben der Tatsache, dass ich das Oberteil anpasste, um die Länge etwas zu verändern, modifizierte auch den Ärmelschnitt. Eigentlich ist bei diesem Schnitt aus der burdastyle 05/2018 Schnitt 116 vorgesehen, dass die Ärmel zweigeteilt sind und der untere Part voluminös mittels Gummiband und Raffung wirkt. Das gefällt mir aber nach wie vor nicht. Daher habe ich mich für klassische Ärmel entschieden, die jedoch auch mit einem Gummibund abschließen.

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Gestartet wird mit den Schlaufen für die Knöpfe. Das war für mich direkt zu Beginn gleich mal Neuland! Ich lerne wirklich bei jedem kleinsten Nähprojekt immer etwas dazu. 

Im Anschluss werden klassisch Falten gelegt, und nach und nach die Teile des Oberteils aneinandergenäht.

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Spannend wurde es bei der Taillenblende. Denn dieses Schnittteil verleiht dem Kleiderschnitt seine wahre Form. Meiner Meinung nach muss die Taillenblende exakt auf die Taille passen, sonst wirkt das ganze Kleid nicht. Also – no pressure – ran an die Taillenblende! Nach allerei Steckerei und Anproben war das Oberteil aber schließlich doch fixiert an der Taillenblende – und ich zufrieden.

Nächste Challenge: Der Untertrittstreifen. Warum das eine kleine Herausforderung war? Weil ich einen solchen bisher noch nie an ein Kleidungsstück genäht hatte. Tja, aber mittlerweile bin ich wieder um eine Erfahrung reicher und kann behaupten, dass das Anbringen des Untertrittstreifens nach ein bisschen Nachdenken, Stecken und Ausprobieren echt nicht schwer ist.

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Nachdem der Saum genäht war (eindeutig keine Lieblingsbeschäftigung von mir), ging es an die Knöpfe. Und hier haben wir sie auch endlich: Meine liebsten Details an meinem selbstgenähten, blumigen Georgette Sommerkleid.

Überzogene Knöpfe selbstgemacht – Kleines How to

All die Knöpfe an meinem Kleid sind eigenhändig mit Stoff überzogen. Das war von Anfang an der Plan, denn nur so wirken die Knöpfe harmonisch und nicht wie Fremdkörper an dem zarten Kleid.

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(c)sewingandscones.de

Auch dieser Schritt war für mich eine Premiere, hat aber mit etwas Übung, sehr viel Spaß gemacht. So geht’s:

  1. Knopf auf die linke Stoffseite legen und mit ca. 1 cm Abstand ein Quadrat rundherum ausschneiden.
  2. Den Knopf zur Seite legen und mit einem breiten Geradstich einen Kreis nähen, der etwas größer ist als der Knopf, der bezogen werden soll.
  3. Nun leicht am Unterfaden des kleinen Stoffquadrats ziehen, sodass sich der Stoff leicht kräuselt.
  4. Jetzt den Knopf hineinlegen und das kleine Stoffpaket letztlich zuziehen.
  5. Wenn vom Knopf nichts mehr zu sehen ist, den überstehenden Stoff auf der Knopfrückseite festnähen und so das Loch schließen.
  6. Überflüssigen Stoff abschneiden.

Die Knöpfe ließen sich sehr gut annähen. Jeder Knopf ist ein wahres Unikat.

Schnittempfehlung ja oder nein?

Der Schnitt ist wunderschön und ich habe den Kauf definitiv nicht bereut. Auch wenn sich wieder einige Hürden eingeschlichen haben, die ich vorher nicht hab kommen sehen, kann ich den Schnitt weiterempfehlen.

Das Kleid ist klassisch, zeitlos und einfach elegant – perfekte Bedingungen für ein selbstgenähtes Kleid, oder?

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