Kleidung | Nähprojekte

60er Jahre Kostüm selber nähen – Eine Reise in das schicke Jahrzehnt

30. Mai 2020
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[Unbezahlte Werbung] Es ist mal wieder geschehen: Ich habe mich in einen Retroschnitt verliebt! Diesmal ist es ein wunderschönes Kostüm im 60er Jahre Stil geworden. Was mich besonders daran überzeugt hat: die raffinierte Jacke und das zeitlose Kleid. Ich zeige euch, wie es geworden ist und was ich am Schnitt verändert habe.

Total fasziniert von diesem 60er Jahre Kostüm

Ehrlichgesagt war es schon um mich geschehen, als ich zum ersten Mal die „sagenhafte Sixties“ Ausgabe von Burdastyle durchgeblättert habe. Im Heft ist das Kostüm (Jacke und Kleid Romy) als pinkes Ensemble mit Perlenknöpfen präsentiert. Das schaut wunderschön aus, oder?

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(c) Burdastyle

Mich hat es sofort in die schwarz-weiße Welt meiner Großeltern gezogen. Ich habe mir vorgestellt, wie ich mit einem schicken Cabrio und 60er Jahre Frisur durch Italien oder Südfrankreich brause. Vielleicht habe ich auch mal bei Grace Kelly vorbeigeschaut und ihr kurz für ihren grandiosen Einfluss auf die Modewelt gedankt, und bin dann weiter nach Paris, wo ich mich mit einer Freundin in einem der traditionellen Straßencafés auf ein Café au lait mit einem knusprigen Croissant getroffen hätte, selbstverständlich in dem 60er Jahre Kostüm, das ich euch heute zeigen möchte. 

Doch warum träumen, wenn das auch Realität werden kann? Also ran an die Nähplanung! Ich nähe mir diesen 60er Jahre Traum einfach selbst.

Der Schnitt ist so wunderbar zeitlos. Der kurze Blazer ist weit geschnitten und hat mich mit der doppelten Knopfreihe sofort in seinen Bann gerissen. 

Wem das Kostüm mit Jacke etwas zu streng oder zu „retro“ ist, kann die Jacke einfach ausziehen und das alltagstaugliche Kleid alleine ausführen. Egal, ob festlicher Anlass, Büro oder Alltag: Das Kleid ist absolut neutral, schlicht aber gleichzeitig auch sehr elegant.  

Die Stoffwahl für den 60er Jahre Traum

Die Kombi aus dem Nähheft ist eigentlich perfekt. Doch ich wollte das Kleid zu einer Hochzeit anziehen, bei der ich Gast sein sollte. Da war mir das aufdringliche Pink doch etwas zu gefährlich. Also entschied ich mich für ein marineblauen Stoff mit filigranem weißem Muster und leichtem Glanz. 

Da das gesamte Kostüm mit einem Futter versehen wird, habe ich mich für ein klassisches Weiß als Futterstoff entschieden. 

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Schlicht, elegant und unaufdringlicher Glamour – Beginnen wir mit dem Kleid

Das Kleid besteht aus nur vier Schnittteilen – also übersichtlich. Schon beim Nähen der Brustabnäher lässt sich das Kleid erahnen. Am Rücken wird seitlich ein Reißverschluss eingenäht und das Futter darf natürlich auch nicht fehlen. Alles in allem ist das Kleid schnell genäht, wenn man wie ich die Knopflöcher nicht näht.

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Ich habe mich bewusst gegen das Anbringen der Träger durch Knöpfe entschieden, weil es mir auf dem Foto nicht gefiel. Meiner Meinung nach rauben die Knöpfe dem Kleid die Eleganz. Aus diesem Grund habe ich die Träger einfach angenäht.

Außerdem war mir das Kleid zu lang. Dadurch, dass es nicht körperbetont ist, wirkt das Kleid schnell „sackig“, wenn die Länge nicht individuell angepasst wird. Mein Kleid endet also kurz über den Knien, die perfekte Länge in Kombi mit dem Blazer!

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Der 60er Jahre Kurzblazer: Das i-Tüpfelchen macht den 60er Jahre Look komplett

Ich liebe Blazer – in allen möglichen Farben und Formen. Und dieser ist ein absolutes Unikat. Er ist weit geschnitten und hat eine doppelte Knopfreihe. Was mir aber besonders gut gefällt ist das Vorderteil mit den Besätzen. Mit einer Einlage verstärkt, ist es das Herzstück des Schnitts, denn es gibt dem Blazer seine sagenhafte Form.

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Gestartet wird wieder mit den Abnähern, dann werden die Seitennähte genäht und die Besätze befestigt. Sobald der Kragen an der Reihe war, hatte ich das Gefühl, dass ich es bald geschafft hätte. Ich konnte es kaum erwarten, den fertigen Kurzblazer zum Kleid anzuziehen. Doch dem war nicht so … es kam noch einiges an Arbeit auf mich zu. Ärmel nähen und dann das Ganze noch einmal mit dem Futterstoff.

Doch wenn es etwas ist, was ich bei aufwändigen Projekten mit Futtereinsatz liebe, dann ist es das Umstülpen des Futters, wenn es an die Besatzinnenkanten gesteppt ist. Denn plötzlich ist das ganze Chaos im Inneren der Jacke verschwunden.

Das Futter dann an den unteren Saumkanten und an der Saumzugabe der Ärmel mit der Hand anzunähen, lässt die anfängliche Freude über das Futter in der Jacke jedoch etwas verschwinden. Mit der Hand zu nähen dauert einfach so lange, gerade wenn man kurz vor der Fertigstellung des Nähprojekts steht. Doch das ist irgendwann geschafft.

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60er-jahre-kostuem-seitenansicht

Auch hier habe ich mich dagegen entschieden, die Knöpfe direkt anzunähen. Stattdessen habe ich sie wie Attrappen angenäht, da ich das Vorderteil nicht mit Knopflöchern versehen wollte. Und diesen Schritt habe ich absolut nicht bereut.

Ja und dann stand ich auch schon vor dem Spiegel, trug das 60er Jahre Kostüm und war schlagartig wieder am Träumen. Doch war der Traum in die 60er Jahre nun ein kleines bisschen realer.

Fazit und meine Änderungen

Ich bin immer noch fasziniert von dem Schnitt und bin auch mit meiner Stoffwahl zufrieden. Die pinke Version aus dem Nähheft gefällt mir zwar etwas besser, aber damit hätte ich mich als Hochzeitsgast nur unwohl gefühlt. 

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60er-jahre-kostuem-rueckseite

Die Anleitung war sehr gut verständlich und das Kostüm ist für geübte Hobbyschneiderinnen schnell genäht. Bis ich es allerdings fertig nähen konnte, war einiges an Zeit vergangen, weil ich fast vier Wochen auf meine Knopf-Lieferung warten musste. Aber was soll’s, in der Zeit konnte ich mich schon neuen Projekten widmen.

Geändert habe ich dann im Endeffekt doch einiges:

  • Ich habe den Schnitt in Größe 32 genäht
  • Alle Knöpfe habe ich als Attrappe angenäht und zum Verschließen große Druckknöpfe verwendet
  • Die Länge des Rocks habe ich deutlich gekürzt

Lasst mir unbedingt einen Kommentar da, wenn ihr das Kostüm oder einen anderen 60er Jahre Schnitt auch schon einmal genäht habt! 

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