Inspiration | Kunst & Kultur

Rezension: Northanger Abbey – Zwischen Bällen, falschen Freunden und altem Gemäuer

21. Mai 2020
northanger-abbey-buchrezension-sewing-and-scones

[Unbezahlte Werbung] Was gibt es Schöneres, als sich eingekuschelt auf einen gemütlichen Ohrensessel zurückzuziehen, einen Klassiker in der Hand zu halten und in Jane Austens bezaubernde Welt zu fliehen? Die Abtei von Northanger lädt definitiv dazu ein. Ein kurzer Überblick über die Geschichte sowie eine persönliche Rezension von mir, erwarten euch in diesem Artikel.

Die Abtei von Northanger von Jane Austen – Darum geht’s

Erinnert ihr euch noch an eure erste Reise alleine, ohne Eltern? Die „Heldin“, wie Jane Austen sie durchwegs nennt, begibt sich zu Beginn der Geschichte auf eben diese prägende, erste Reise. Fernab der Heimat, aber unter der Obhut eines befreundeten Ehepaars der Familie, findet Catherine, so ihr Name, neue Freunde. Sie wird in die Gesellschaft eingeführt, ist bei Bällen eine gefragte Tanzpartnerin und erlebt allerlei für sie verwirrende Dinge in dem traumhaften Städtchen Bath. Was hier natürlich nicht fehlen darf, ist ein Mann, in den sich Catherine vollends verguckt. Von missglückten Verlobungen, bis missverständliche Anträge und Eifersucht unter Freunden – in Bath erlebt Catherine wohl die typischen Auf und Abs, die ein junges Mädchen in Teilen einfach durchmachen muss.

Als Catherine, die ein Faible für Schauerromane hat, dann in der zweiten Hälfte des Buchs Northanger Abbey erreicht, gewagte Vermutungen über ihren Gastgeber anstellt, die Zeit mit ihrer neuen Freundin genießt und den teils langweiligen Alltag eines jungen Mädchens in einer großen Abtei erlebt, spitzen sich ihre Schwärmereien für den Mann ihrer Wahl zu. Doch hat sie als Mädchen aus eher einfachem Hause, überhaupt eine Chance?

Das hat mir besonders gut an „Northanger Abbey“ gefallen

Die Geschichte bietet so viele wunderbare Schauplätze, dass man als Leser aus dem Träumen gar nicht mehr herauskommt. Der Start in Bath spielt sich an so vielen spannenden Orten ab, an denen Catherine ihre Abenteuer erlebt. Die Trinkhalle, der Ballsaal, der wunderbare Spaziergang oder die Einladung bei den Tilneys – zu gern hätte ich das Bath jener Zeit mit all den hübschen Kleidern, Kutschen und Stoffläden bei einem Spaziergang mal erkundet.

Und auch Northanger Abbey macht jeden, der etwas für alte Gemäuer übrighat, schwach. Die überspitzten Vermutungen Catherines über den Tod der Hausherrin, das verbotene Umherwandern auf verlassenen Fluren und die merkwürdigen Geräusche in der Nacht, laden die Zeit in der Abtei mit ordentlich Spannung auf. 

Doch neben Bath und Northanger hat es mir die „Heldin“ selbst ebenfalls angetan. Die naive, liebevolle und immer auf das Wohl der anderen bedachte Art Catherines, macht das ganze Spektakel wahrlich amüsant. Ich habe mich mehrmals dabei erwischt, wie ich schmunzelnd das Buch in der Hand hielt, weil Catherines Ansichten der Welt einfach sehr leichtgläubig sind, gleichzeitig aber so viel Gutmütigkeit enthalten, dass man sie einfach mögen muss.

Zu guter Letzt führt das Missverständnis, das der tollpatschige John in die Welt gesetzt hat zu einem überraschenden Ende und verleiht so der Geschichte noch einmal ordentlich Dramatik. 

Alles in allem versteckt Jane Austen in diesem Buch viele Motive, zwischenmenschliche Herausforderungen, Missverständnisse, aber auch Botschaften, die heute noch genauso aktuell sind wie damals. Und letztlich sind es wohl auch die Zufälle, die für unser aller Schicksal mitverantwortlich sind, denn wie wäre die Geschichte wohl ausgegangen, wenn John nicht mit dem General geplaudert hätte?

Trotz Klassiker-Status – Das hat mir weniger gut gefallen

Bis die Aufregung in Bath erst so richtig losgeht, vergeht meiner Meinung nach etwas viel Zeit, wohingegen die Zeit in der Abtei, auch im Blick auf die Seitenzahl, deutlich ausführlicher sein könnte. Als ich noch aufgeregt den Entwicklungen in Bath folgte, stellte sich mir schon die Frage, wann denn nun endlich die Abtei mit ins Spiel kommen würde. 

Auch bin ich manchmal schier ausgeflippt, dass Catherine Isabellas falsche Art nicht versteht und immer nur das Gute in ihr sieht. 

Das Ende kam mir, auch wenn es noch einmal richtig spannend wurde, etwas zu abrupt. 

Nichtsdestotrotz kann ich diesen Klassiker von Janes Austen wärmstens empfehlen. Denn wer alte Gemäuer, verzwickte zwischenmenschliche Beziehungen und die ein oder andere Liebesgeschichte, verpackt in einem Roman mag, kommt hier auf alle Fälle auf seine Kosten. 

„Das Bildnis des Dorian Gray“ ist ebenfalls ein Buch, das ich euch jederzeit empfehlen würde. Um was es geht und was mir daran so gefällt, erfahrt ihr hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.