Kleidung | Nähprojekte

Bouclé-Blazer selbstgenäht – ein Hauch 50-er Jahre

20. Januar 2020
boucle-blazer

Lange habe ich dieses Projekt vor mir hergeschoben, einfach weil ich wusste, dass es viel Arbeit werden würde. Doch an den freien Tagen Anfang des Jahres hatte ich keine Ausrede mehr! Ich nähte mir meinen ersten Bouclé-Blazer mit einem Stoff, in den ich mich sofort verliebt hatte. Außerdem habe ich das erste Mal ein Futter eingenäht – meine erste überwundene Hürde in 2020. Ob es auf Anhieb geklappt hat und ob ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, liest du hier.

Challenge #1: Den richtigen Stoff und die richtige Größe für die Jacke finden

Das Schnittmuster ist mir schon lange ins Auge gestochen. Denn der Blazer ist ohne viel Schnickschnack und Details einfach elegant und stilvoll. Außerdem hatte ich mir schon vor einigen Jahren mal einen ähnlichen Blazer gekauft – und was soll ich sagen, ich habe es nie bereut. Daher sollte es die Mühe wert sein, noch eine Jacke dieser Art zu nähen.

Also ging ich auf die Suche nach einem schönen Bouclé oder Jacquard Stoff. Nachdem meine andere Jacke sehr schlicht ist, wollte ich etwas Auffälligeres. Ich musste nicht lange suchen, da hatte ich ihn schon gefunden: diesen wunderschönen Bouclé Stoff. Er ist sehr bunt für meinen Geschmack, hat sogar kleine Pailletten verarbeitet – eine Stoff-Kombi, die ich eigentlich sonst sofort wieder weglegen würde, aber schon im Geschäft konnte ich mir den Stoff sehr gut für dieses Modell vorstellen. Und schon war er gekauft. Mit etwas Vlieseline und Futterstoff im Gepäck verließ ich den Laden wieder.

Als ich mich dann nach einigen Wochen endlich aufraffen konnte, den Schnitt anzugehen, fiel mir auf, dass ich es hier mit einem Kurzblazer und somit auch mit Kurzgrößen zu tun hatte. Kennt ihr eure Kurzgröße? Naja, auf jeden Fall musste ich mich erst einmal mit dem Thema beschäftigen, bis ich mit dem Nähen, beziehungsweise dem Schnittabpausen, beginnen konnte. Etwas schlauer konnte es dann endlich losgehen, auch wenn das Abpausen, also das „auf dem Boden herumkriechen“ definitiv nicht meine liebste Beschäftigung beim Nähen ist.

Challenge #2: Schnitt auf den Bouclé Stoff aufmalen, ausschneiden und verstärken 

Eben mal schnell den Schnitt aufmalen, ausschneiden und etwas bügeln? Pustekuchen! Diesen Schritt hatte ich maßlos unterschätzt. Denn so schön mein geliebter Stoff auch ist, Kreide, egal ob, grau oder weiß sieht man hier gar nicht! 

Wie bitte soll ich denn dann den Schnitt auf das Material bekommen? Zugegeben, diese Herausforderung hat mir etwas Motivation geraubt. Nach ein bisschen hin und her überlegen habe ich mich dann dazu entschieden, den Schnitt aufzunähen. Keine Ahnung, ob man das so macht, aber es schien mir in dem Moment die einzige Option. Also habe ich einen Faden in knalligem Signalrot in die Maschine eingespannt und nähte alle gefühlt 1000 Stoffteile ab – zeitintensiv war das!

Aber ich habe es geschafft und im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich hier keine Abstriche gemacht habe. Dann nochmal dasselbe Spiel für den Futterstoff. Zum Glück konnte man hier die Kreide wieder sehr gut erkennen und dann ging es auch schon ans Verstärken.

 Die Vlieseline war dann doch fix aufgenäht und die Vorfreude aufs Nähen stieg. 

Challenge #3: Das Futter

Der Oberstoff ließ sich sehr schön nähen und die Anleitung aus der Burdastyle 06/2019 Jacke 108 war gut verständlich. So hatte ich also recht schnell die Jacke zusammengenäht und freute mich, dass man das Endergebnis schon erahnen konnte.

Wovor ich aber wirklich Respekt hatte, schlichtweg weil ich es noch nie gemacht habe, war ein Futter einzunähen. Okay, ich habe schon mit Futterstoffen gearbeitet, aber ich habe sie immer so eingenäht, wie ich dachte, nie nach Anleitung. Daher war es das erste Mal „professionell Futtereinnähen“. 

Die erste Hürde dabei war die Bewegungsfalte. Ich konnte mir nichts darunter vorstellen. Aber einige YouTube Videos haben mir geholfen, genauso wie der Blick in die Blazer, die bereits in meinem Schrank hingen. Und dann ging es schnell muss ich sagen. Das Futter hatte ich fix zusammengenäht und in den Oberstoff gelegt. Dann am Besatz ringsum festgenäht und tada – einmal umstülpen und das ganze Kunstwerk schaut echt vorzeigefähig aus. Dieser Moment war echt toll, denn der Bouclé Stoff hat extrem ausgefranst, sodass das Innenleben des Blazers reinstes Chaos war. Das Futter hat die Unordnung aber sofort elegant verdeckt.

Die letzten Nähte mussten mit der Hand geschlossen werden und auch die Häkchen zum Schließen des Blazers fehlten noch. Nachdem das getan war, war ich überglücklich! Das erste Nähprojekt für 2020 habe ich erfolgreich geschafft!

Was ich am Schnitt verändert habe

In der Regel verändere ich viel an den Schnitten, um sie individuell und schlichtweg nach meinem Geschmack umzuwandeln. Bei dem Schnittmuster habe ich aber kaum etwas verändert.

Einzig die Taschen, die vorgesehen waren, habe ich weggelassen. Da mein Oberstoff so dick war und durch das Muster auch sehr viel los war, wollte ich mir das Leben nicht unnötig schwer machen und entschied mich für „taschenlos“.

So style ich meinen Bouclé-Blazer am liebsten

Bei so einem farbenfrohen Oberstoff müssen die dazu kombinierten Teile meiner Meinung nach schlicht sein. Also trage ich am liebsten eine cremefarbene Bluse unter meinem Blazer und kombiniere dazu eine graue Hose, die gut mit den Farben aus dem Blazerstoff harmoniert. Etwas Goldschmuck und schmal geschnittene Schuhe und fertig ist der klassisch elegante Look mit Bouclé.

Wenn es etwas eleganter werden soll, passt auch ein schwarzes Cocktailkleid perfekt unter das Jäckchen.

  1. Liebe Clarissa, dein Kurzblazer ist wunderschön!
    Ich stelle mir vor, dass das Nähen sehr knifflig war. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen, Kompliment!
    Barbara

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.