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Buchklassiker – Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde

3. Februar 2020
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[Unbezahlte Werbung] Letztes Jahr war einer meiner Neujahrsvorsätze, mehr zu lesen – und zwar mehr Klassiker zu lesen. Wir greifen doch alle gerne zu den Bestsellern, die gerade aktuell sind. Wir hören von Freunden, dass das Buch super ist oder lesen einen Artikel darüber in einer Zeitschrift. Meistens bestätigt sich ja diese breite Wahrnehmung auch. Doch was ist eigentlich mit den Klassikern der Weltliteratur? Sollten wir nicht immer mal wieder auch so einen Schmöker, wie „Das Bildnis des Dorian Gray“ aus dem Regal ziehen?

Und so kam es, dass ich mir im Internet einige Klassiker zusammen suchte, die ich unbedingt mal lesen wollte. Teilweise hatte ich noch nie von den Titeln gehört, teilweise waren es aber auch Geschichten, die ich bisher nur aus Filmen oder vom Hörensagen kannte.

Ein Buch, das es mir von der Zusammenfassung auf dem Buchrücken sofort angetan hat, war „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde. Die Geschichte klingt fantasievoll und unrealistisch auf den ersten Blick. Sie erinnert etwas an einen Phantasy-Roman, doch schnell wird klar, dass sich hinter diesen Seiten etwas Tiefgründiges versteckt.

Mein erster Eindruck des Klassikers „Das Bildnis des Dorian Gray“

Gleich zu Beginn der Handlung wird der Leser in das Atelier des Malers Basil geführt. Mit malerischen Umschreibungen über die Jahreszeit und die Stimmung, fühlt man sich direkt wohl und lauscht gerne der Unterhaltung von Lord Henry und Basil. Außerdem muss der Leser nicht erst seitenlang warten bis das Thema des Buchs, nämlich das Gemälde, ins Spiel kommt. Nein, direkt auf der ersten Seite beschreibt Oscar Wilde, was auf dem beeindruckend schönen Bild zu sehen ist. 

Schon von Anfang an wirkte es auf mich, als herrscht eine angespannte Hassliebe zwischen den beiden Herren. Sie waren Freunde, ja, doch Lord Henry scheint Basil in der Hand zu haben und ihm überlegen zu sein. Basil hingegen ist unsicher und nicht so redegewandt wie sein Freund. Dabei ist er derjenige mit dem beeindruckenden Talent und einer Gabe, die bei Lord Henry vergebens zu suchen ist. 

Dass diese zwischenmenschliche Beziehung durch den Auftritt von Dorian eine so derartige Wendung nehmen würde, hätte ich jedoch anfangs nicht vermutet. Basil und Lord Henry konnten unterschiedlicher nicht sein, doch eines verband sie: die Faszination für Dorian. Die letztlich die gesamte Geschichte formte.

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Die tiefe Botschaft der Schönheit

Besonders Lord Henry findet weise und tiefgründige Worte, um Schönheit und Jugendlichkeit als so etwas Wertvolles und Begehrenswertes darzustellen. Selbst als Leser wird man direkt im zweiten Kapitel gänzlich in den Bann gezogen, dass all das Schöne und Junge, das Jugendliche und Lebendige unbedingt bewahrt werden muss. Lord Henrys Worte beeinflussen Dorian, aber auch den Leser. Sie gehen nahe und regen zum Nachdenken an. 

Ironisch dabei ist, dass direkt im zweiten Kapitel das Thema „von Menschen beeinflusst werden“ behandelt wird. Lord Henry führt redegewandt, wie er nun einmal ist, aus, dass der Mensch, wenn er sich beeinflussen lässt, nicht mehr Herr seiner selbst ist. Er spielt eine Rolle, wie ein Schauspieler.

Für mich ist diese Stelle im Nachhinein eine der Schlüsselszenen. Denn Lord Henry hat Dorian, fast in einer Art menschliches Experiment, beeinflusst. Ihn zu einem anderen Menschen gemacht, und zwar nicht zu einem besseren. 

Die Schönheit des Menschen ist in diesem Klassiker das zentrale Motiv. Und zwar das Zusammenspiel der äußeren und inneren Schönheit. Kann ein Mensch schön sein, wenn er grausame Dinge tut und schlimme Dinge denkt? Und findet ein Mensch Erfüllung darin, ewig schön zu sein? Macht es ihn zu einem glücklichen Menschen? 

Fazit – ein Meisterwerk und absolute Leseempfehlung

Diese Geschichte ist fantasievoll und doch real. Sie ist 1891 geschrieben worden und hat sich den Status „Klassiker“ erarbeitet und das, meiner Meinung nach, nur zu Recht. Die Themen, die das Buch behandelt sind aktueller denn je. In einer Gesellschaft, in der wir uns gegenseitig beeinflussen, vergleichen, in der jeder schön sein und gleichzeitig nicht altern will, trifft der Roman den Nerv der Zeit.

Ich wusste nicht, worauf ich mich einließ, als ich mich mit einer Tasse Tee in meinen Ohrensessel setzte und das Buch aufschlug. Ich hatte mit einer Geschichte gerechnet, die unterhaltsam, spannend und fantastisch war – dass sie all das erfüllte und noch weit darüber hinausging, und ein so relevantes, aktuelles Thema behandelte, hat mich mehr als beeindruckt und überrascht.

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